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Un-glorreiches Gemetzel PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Sebastian von Paledzki   
Freitag, den 28. August 2009 um 18:23 Uhr

Beitrag zu den Sonntagsgedanken im NBT am 05. September 2009

Inglourious Basterds„Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen!“ – diese höhnischen Worte schrie Hitler am 1. September 1939 der Welt entgegen und verkündete damit den Angriff der deutschen Wehrmacht auf Polen. Der schlimmste und verheerendste Konflikt der Menschheitsgeschichte, dessen Wunden bis heute spürbar sind, der 2. Weltkrieg hatte begonnen.

70 Jahre später. Wer in diesen Tagen ins Kino geht, der wird wohl kaum um Quentin Tarantinos Blockbuster Inglourious Basterds (korrekt falsch geschrieben) herum kommen. Das Drehbuch ist schnell erzählt: Im besetzten Frankreich entgeht Shosanna, eine junge Jüdin nur knapp dem Tod, nachdem ihre ganze Familie von einem SS-Kommando ermordet wurde.

Einige Jahre später eröffnet sie in Paris ein Kino, in dem ein deutscher Propagandafilm gezeigt werden soll. Als sich herausstellt, dass auch Adolf Hitler und Joseph Goebbels zum Premierenpublikum gehören, entschliesst sich Shosanna, das Kino während der Aufführung in Brand zu stecken. Am Ende gelingt der Plan – Hitler und andere Nazigrössen kommen in einem blutigen Gemetzel ums Leben, der Mord an Shosannas Familie und vielen anderen Juden scheint gerächt. Typisch Hollywood, typisch Quentin Tarantino. Während sich andere Filmemacher bei Produktionen dieser Art um historische Realität bemühen, pfeift Tarantino auf die Fakten. Das ist schräg, das ist frech – das ist gute Unterhaltung. Wirklich? Dass Hitler und Goebbels von einer kleinen amerikanischen Ballertruppe (die es nie gegeben hat) dahin gemäht werden – im Kino – und dazu noch während einer Inszenierung „deutschen Heldenmuts“ – all das erscheint wie ein grosser Scherz, wie ein grosser, bitterer Scherz. Denn was sonst gezeigt wird – Vernichtungskrieg, Holocaust, Rassenideologie und nicht zuletzt der Einsatz von Sprache als Waffe – all diese Verbrechen sind kein Scherz. Werden da am Ende nicht die Opfer und auch die Menschen des „echten“ Widerstands verhöhnt? Bei aller Liebe zur fiktiven Kinowelt – in mir hinterlässt Inglourious Basterds einen schalen Beigeschmack, ehrlich.

Einen ehrlichen und dennoch behutsamen Umgang mit den Abgründen der Vergangenheit, vielleicht sogar mit einem versöhnlichen Ausblick – in Inglourious Basterds wird man ihn vergeblich suchen. Zu viel verlangt? Vielleicht für Hollywood. Vielleicht für ein Millionenpublikum. Schade. Aber gehört es nicht sogar zum Wesen des Friedens, dass er sich still und fast unauffällig in die Herzen schleicht?

Vor Kurzem haben die Vorsitzenden der polnischen und deutschen Bischofskonferenz, Jozef Michalik und Robert Zollitsch, eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht. In ihr wenden sich die Vorsitzenden ausdrücklich gegen mangelnde Wahrhaftigkeit im Umgang mit der Geschichte. Stattdessen ermutigen sie, einander zuzuhören, besonders jenen, die nach wie vor unter den traumatischen Erlebnissen des Krieges leiden. Damit der Frieden „im Grossen“ gelingen könne, müsse er „im Kleinen“, das heisst im persönlichen oder familiären Bereich als etwas Wertvolles erlebt werden.

Recht haben sie, die Bischöfe – auch wenn sie ihre Erklärung nicht als grosses Kino verkauft haben. Und Gelegenheiten für einen Frieden „im Kleinen“, ich glaube, die gibt es ganz viele.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 14. September 2009 um 13:44 Uhr