
| Es weihnachtet sehr |
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| Geschrieben von: Sebastian von Paledzki | |||
| Dienstag, den 17. November 2009 um 07:10 Uhr | |||
Beitrag fĂĽr das BachenbĂĽler Mosaik im Dezember 2009
Von drauss' vom Walde komm ich her; Liebe Bachebüler, sicher kennen Sie den Beginn des volkstümlichen Gedichts „Knecht Ruprecht“ von Theodor Storm (1817-1888). Die ersten, auch heute noch viel zitierten Verse wirken romantisch bis süsslich, vielleicht sogar kitschig. Drama im KinderzimmerLiest man aber weiter, zeigt sich schnell, dass es um eine ernste Angelegenheit geht. Kurz vor Weihnachten beschreibt der Knecht seine Tätigkeit im Dialog mit dem Vater eines besuchten Kindes. Da ist von Süssigkeiten und Wohltaten die Rede, von „Äpfel, Nuss und Mandelkern, die essen fromme Kinder gern.“ – aber auch von Strafe und Rute, doch „für die Kinder nur, die schlechten, die trifft sie auf den Teil, den rechten.“ Sie schütteln den Kopf? Sie malen sich aus, wie Knecht Ruprecht wohl gewütet haben muss? Vielleicht sagen Sie sich auch, dass selbst der grosse Theodor Storm nur ein Kind seiner Zeit gewesen sein muss. Und diese Zeit ist schliesslich vorbei, oder? Fest der SehnsuchtOb heutige Kinder noch an Knecht Ruprecht oder an seinen Schweizer Kollegen Schmutzli glauben, sei dahingestellt. Dass Weihnachtsgeschenke jedoch als Belohnung für erwartete (schulische) Leistungen benutzt werden, diese „Pädagogik“ hat sich über die Jahrhunderte erhalten. Erhalten hat sich auch, dass es dabei Gewinner und Verlierer gibt – und die gibt es nicht nur bei Geschenken und nicht nur bei Kindern. Mit Weihnachten verbinden die meisten Menschen einen tiefen Wunsch nach umfassendem Heil und Frieden. Kaum jemand kann sich der weihnachtlichen Sehnsucht nach Zusammengehörigkeit, nach Geborgenheit und Nestwärme entziehen. Und wie kaum an einem anderen Fest wird am Fest der Liebe deutlich, ob Menschen in geglückten, intakten Beziehungen leben oder nicht. Weihnachten wirkt wie ein Brennglas: Die Freude der Fröhlichen vergrössert und verdichtet sich ebenso wie die Trauer der Unglücklichen – mehr denn je wird in diesen Tagen klar, wer im Licht und wer im Schatten steht. Von Hirten und SuchendenWenn wir die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium lesen, finden wir auch in Betlehem viel Licht und Schatten. Maria und Josef haben eine beschwerliche Reise hinter sich und können sich kein Zimmer in der Herberge leisten. Niemand will sie haben, niemand hat Mitleid – dass Maria kurz vor der Niederkunft ist, ändert nichts. Und dann die Geburt: bei Nacht in einer Notunterkunft, in einem Futtertrog, unter widrigsten hygienischen Bedingungen. Schliesslich die Flucht: die junge Familie verlässt ihre Heimat und sucht Asyl in einem fremden Land, sie sind politisch Verfolgte. Überall Schatten – wo man auch hinsieht. Wirklich überall? Sehen wir einmal genauer hin: Da sind auch die Hirten, die unterwegs sind und auf den Hügeln von Betlehem Wache halten. Sie stehen gleichsam für alle Menschen, die wie sie unterwegs sind, die wachen und nicht schlafen können, weil sie mit einer Sehnsucht leben. Sie stehen für alle Menschen die, noch weinen und hoffen können und die tief in ihrer Seele Ausschau halten nach Heil und Erlösung. Es sind die Hirten, denen mitten im Dunkel der Nacht ein Licht erscheint. Ein Engel Gottes kommt auf sie zu und spricht von der grossen Freude, dass es die erwartete Errettung bereits geben sollte: in der Gestalt eines Kindes, zu finden in einem Stall in Bethlehem, in einer Futterkrippe. Wörtlich heisst es im Lukasevangelium: Der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine grosse Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. (Lukas 2,10f) Diese Worte spricht der Engel nicht nur zu den Hirten. Er ruft sie allen Menschen zu, die in der Finsternis und im Schatten leben: Für alle und für euch ganz besonders ist der Heiland geboren! Zu Betlehem geborenEs gibt ein altes Weihnachtslied, das in eindringlicher Weise zeigt, was es bedeutet, sich auf das Geheimnis der Menschwerdung Gottes inmitten von Unfrieden und Dunkelheit einzulassen. Angesichts des furchtbaren Hexenwahns und der Schrecken des Dreissigjährigen Krieges schreibt der Jesuit Friedrich Spee diese Zeilen: Zu Bethlehem geboren ist uns ein Kindelein, Friedrich Spee (1591-1635)
Ich wĂĽnsche Ihnen und Ihren Familien, dass es „weihnachten“ möge: Dass Gott Ihnen die Kraft schenke, sich in seiner Liebe zu versenken, in Freuden und in Schmerzen. Dass Sie in der Not getröstet werden und Heil erfahren. Und dass Sie Ihre Weihnachtsfreude teilen können mit denen, die am Rande stehen. Ich wĂĽnsche Ihnen einen besinnlichen Advent und eine gesegnete, frohe Weihnachtszeit. Â
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| Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 17. November 2009 um 07:38 Uhr |